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Simon Bolivar |
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Reiseberichte aus dem Sanella-Album Mittel- und Südamerika |
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Klein- Venedig auf Pfählen Nahe der Mündung des Magdalenenstroms haben wir uns von Indianern in ein Pfahldorf rudern lassen. Das sind zum Teil uralte Siedlungen, die schon die ersten spanischen Eroberer gesehen haben. Das Dorf ist weit ins Wasser hinausgebaut, weil es da draußen keine Moskitos gibt. Wir fuhren im Boot die "Dorfstraße" entlang. Hier soll es Indios geben, die ihr Leben lang nie auf festem Land gestanden haben. Sie leben auf Pfählen oder im Boot und mit ihnen auch das Hausgetier. Da gackern Hühner auf einem kleinen Hof; dort wühlen Schweine in den Abfällen an den Hütten. Unter ihnen gluckert das Wasser. Der besondere Stolz der "Wasserdörfler" sind aber ihre kleinen Gärten auf Pfählen. Man hat da Erdreich aufgehäuft, und es wächst und grünt, obwohl die ganze Sache eigentlich buchstäblich "in der Luft hängt". |
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Aus jeder Hütte gucken neugierige Gesichter! Unsere Fahrt durchs Dorf wurde die Sensation des Tages. Wie anderswo auf dem Land die Kinder hinter den Fremden herlaufen und Männer und Frauen auf der Plaza zusammenkommen, um die seltsamen fremden Gäste eingehend zu mustern, so fuhr hier bald eine Menge Boote mit Dorfbewohnern neben und hinter uns, um die vornehmen Besucher gebührend zu bestaunen. Von den Pfahlrosten bellten die schmutzigen Dorfköter hinter uns her. Der Freiheitsheld Simon Bolivar Schon in Caracas, der Hauptstadt von Venezuela, war uns in einem Park das Denkmal eines Mannes aufgefallen, von dem es auch in kolumbianischen Städten Standbilder gibt. Es ist der in ganz Südamerika verehrte Freiheitskämpfer Simon Bolivar. Südamerika ist doch jahrhundertelang Kolonialland gewesen. Nur in Paraguay hatten die Jesuiten einen fast selbständigen Staat gegründet, der sich aber nicht lange halten konnte. Ich habe Dir in einem früheren Brief schon davon geschrieben. Es hat viele Jahre gedauert, bis sich die südamerikanischen Länder von der spanischen Herrschaft freikämpfen konnten. Dabei hat sich Simon Bolivar besonders ausgezeichnet. Er wurde in Caracas als Sohn spanischer Eltern geboren und verbrachte seine Jugend in England und Frankreich. Dort gab es ja so um 1800 allerhand zu sehen und zu erleben. Damals redeten die Menschen in Europa besonders viel von Freiheit und Gleichheit. Dann kam Napoleon und krempelte ganz Europa um. Simon Bolivar sah sich die Kaiserkrönung Napoleons in Paris an. |
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Na, und als er sich in Europa ordentlich umgeschaut hatte, fuhr er nach Venezuela zurück und dachte sich: Wenn man in Europa so frei und in eigenen Staaten leben kann, warum sollte denn das hier bei uns in Südamerika nicht auch möglich sein? Warum sollen unsere Leute denn nur immer für andere schuften? Wir könnten doch ein eigener, selbständiger Staat werden. |
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